Archiv für den Autor: FrankHoefer

German Wings – Deutschland tanzt

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Foto: Christine Steinhart
© All rights reserved

MS Tanzwerk gastiert in Kassel

11. Internationales Tanzfestival Kassel
„German Wings – Deutschland tanzt“
1. bis 11. Mai 2008

Tanz beflügelt
Tanz hebt die Schwerelosigkeit auf
Tanz braucht den Boden
Tanz verbindet Menschen
Tanz ist eine universelle Sprache
Tanz ist international

Im zeitgenössischen Tanz ist im Verborgenen schon lange übliches Tagesgeschäft, was als Segen oder Fluch in wirtschaftlichen, ökologischen oder kulturellen Zusammenhängen laut diskutiert, propagiert, publiziert wird: Globalisierung, Vernetzung und Synergie. Diese „Globalisierung“ macht den zeitgenössischen Tanz außergewöhnlich.

Daher ist es auch folgerichtig und konsequent, wenn sich das 11. Internationalen Tanzfestival Kassel der hier lebenden und arbeitenden multinationalen Tanzszene widmet und „nur“ Produktionen aus Deutschland zeigt. Sie sind nicht „typisch Deutsch“, aber dennoch „Made in Germany“.

Grundidee des Festivals ist, dem zeitgenössischen Tanz in seinen vielfältigen Ausdrucksformen ein breites öffentliches Forum zu bieten, seine kulturellen, sozialen, künstlerischen und nationalen Entwicklungen und Unterschiede erlebbar zu machen und dadurch den internationalen kulturellen Austausch zu fördern. Ein Festival, zu dem nationale und internationale Autoren geladen sind, bildet einen Ort für die Gegenwart ganz verschiedener künstlerischer und kultureller Gemeinschaften, aus deren Vielfalt Internationalität entsteht.

Die Bereitschaft führender Persönlichkeiten aus Kultur und Politik, die Schirmherrschaft über das Festival zu übernehmen, unterstreicht dessen Stellenwert für die Region:

1995: Dr. Antje Vollmer, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages;
1996: John Ashford, Intendant des Place Theatre London;
1997: Prof. Hilmar Hoffmann, Präsident des Goethe-Institutes;
1998: Reinhild Hoffmann, Choreographin.

Quelle: http://www.internationales-tanzfestival-kassel.de
http://tanztheater.blogspot.com

Heimat im Kopf – MS Tanzwerk Dance Company gastiert in Kassel

MS Tanzwerk beim 11. Internationalen Tanzfestival in Kassel

Die Compagnie gastiert am Sa, dem 03.05.2008 um 20:00 Uhr im Rahmen des 11. Internationalen Tanzfestivals am Staatstheater Kassel.
Man darf auf die Reaktionen des Publikums auch in Kassel gespannt sein.
Das umstrittene und heiss diskutierte Stück
„Mental Maps & Patterns“ des Choreographen Mario Heinemann Jaillet alias „MS Tanzwerk“ hat auch beim Gastspiel in Jena irritiert.

Zum Projekt „Mental Maps & Patterns“

Mental Maps heißen die kognitiven Karten, mit denen wir versuchen, Ordnung in die Labyrinthe unseres Denkens zu bringen. Analog zur räumlichen Orientierung gibt es auch hier Wege, Grenzen, Orte, allerdings sind die maps nicht geographisch angelegt, sondern bio-grafisch: als Netz aus Erinnerungen, Bildern und Sinneswahrnehmungen strukturieren sie die individuelle mentale Orientierung. Mit „Mental Maps & Patterns“- unter der künstlerischen Leitung von Mario und Sophie Heinemann Jaillet – verfolgt die Companie die labyrinthischen Topographien dieser emotionalen und räumlichen Denkmuster. Diesmal ließ sich Heinemann und Jaillet u.a. auch von Margret Eichers Arbeit „Über den Gebrauch von Muster“ inspirieren und spinnen einen kühnen Zusammenhang zwischen den Orten, wo unser Denken zuhause ist und dem schillernden Begriff der „Heimat“. In tänzerischer Präzision, mit Ironie und Momenten der Überraschung stellt sich ms-tanzwerk dem Tiefsinnigen und manchmal auch Abgründigen, welches bei dieser Transformation der Denk-Heimat zur tatsächlichen Heimat zum Vorschein kommt und uns durchaus ambivalent berührt.

Ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Theaterpreis

Laudatio zu „Mental Maps & Patterns“

guten abend !
wenn wir nun zur verleihung des hauptpreises kommen, seien sie versichert, daß es sich die jury nicht leicht gemacht hat. das stück, das die jury hier zur preisvergabe empfiehlt, hat sich als das umstrittenste, widerständigste des Festivals erwiesen. unserer einschätzung nach ist dieses stück die gedanklich kühnste und ästhetisch geschlossenste arbeit der zurückliegenden abende. es nimmt in vielerlei hinsicht die höchsten risiken in kauf und macht auf eine ganz unsentimentale weise zutiefst betroffen. es ist eine konsequente, gedanklich komplexe gradwanderung, mit hohem absturzpotential. die innere logik des stückes ist folgerichtig, wenn gleich nicht unbedingt sympathisch. ein komplexes, intellektuelles vorhaben ist in eine sinnliche form überführt und dadurch erfahrbar geworden. dadurch erweist sich die arbeit nicht als illustration, sondern als konstruktion einer wahrnehmungsituation, die an erinnerung, gespeicherte codes etc. appelliert. tanz, video, musik, text, licht, bühne und kostüme bilden eine subtile, suggestive einheit und schaffen den äußeren rahmen für innere vorgänge. es geht um örtlichkeiten inneren lebens, und wie es sogleich der kolonisation durch öffentliche zeichen und bilder unterliegt. vom ersten moment an hat das stück eine unheilvolle atmosphäre, die wir allerdings für kein politisches bekenntnis halten, sondern aus der künstlerischen versuchsanordnung erwachsen sehen, die darin besteht, an sich und in sich einen mapping-prozess zu erleben, der keine unbeteiligten beobachter erlaubt: man verläßt die vorstellung als contaminierter. so hermetisch der abend daherkommt, transportiert er doch erzeugung und entstehen als einen offenen vorgang. thema des stücks ist ein prozess beim zuschauer … exemplifiziert um den begriff ‚heimat‘. die künstlerische vorgehensweise gleicht einem laborversuch, bei dem der zuschauer weniger der raisonierende laborleiter als den probanten und das versuchstier gibt: das verfahren ist das einer langsamen immersion, einer graduell sich steigernden ‚zumutung‘. diese zumutung stützt sich auf einen kollektiven bilderfundus wie er in den zurichtungskampagnen totalitärer strategien benutzt wurde und weiterhin benutzt wird. gearbeitet wird mit einer montage von versatzstücken ästhetischer und sprachlicher art, die zunehmend – und zunehmend unangenehmer – das hirn möblieren, die bestimmte grenzziehungen, wege, bahnungen triggern und zunehmend an eigenleben gewinnen. die stimulierung führt auf immer unakzeptablere wege, in immer unakzeptablere landschaften, aber sie tut das absolut folgerichtig. über schwindelerregende deutsche abgründe hinweg werden wir mit posen, bildern, geräuschen, klängen und worten gefüttert und geführt, werden verführt und manipuliert. die tänzer schrauben sich nahezu tranceartig durch ritualisierte und historisierende bewegungsmuster und die musik unterstützt diesen ansatz.die eigene urteilsfähigkeit – je nach persönlichem naturell irritiert oder befeuert von ironischen elementen der inszenierung – gerät zunehmend ins trudeln, denn das stück ist von 2 gegenläufigen bewegungen geprägt:affirmation und subversion:ob sie das video am schluss des stückes als kitsch – kitsch ist die übererfüllung von erwartungshaltungen – oder als ironischen kommentar mit nackten sehen wollen, das stück wird sie nicht aus der zange seiner suggestiven muster entlassen.das durchaus perfide des konzepts illustriert ein zitat des ästhetikers und philosophen wolfgang welsch, wenn er sinngemäß sagt: die eigentliche wahrnehmung ist niemals falsch – erst im nachhinein erweisen sich urteile darüber als wahr oder falsch.ich würde gerne schließen mit einem zitat von c.g.jung, das gaston bachelard in seiner ‚poetik des raumes‘ anführt und das das beunruhigende des von uns als preiswürdig erachteten stückes vielleicht erklärt.zitat: “ das bewusstsein benimmt sich wie ein mensch, der ein verdächtiges geräusch im keller gehört hat und zum dachboden eilt, um dort festzustellen, daß keine diebe da sind. in wirklichkeit hat sich dieser vorsichtige mensch aber nicht in den keller getraut.“ ms-tanzwerk hat sich in den keller getraut und verdient schon dafür anerkennung. es hat uns aber auch etwas aus dem keller mit hochgebracht – und das erfordert geschick und können…

Kartentelefon des Staatstheater Kassel
Das Kartentelefon ist zwischen 10:00 und 18:30 Uhr besetzt.
Mo 10:00 – 13:00 Uhr, 14:00 – 18:30 Uhr
Di-Fr 10:00 – 18:30 Uhr
Sa 10:00 – 13:00 Uhr
Telefonnummer:
0561 / 1094-222

Öffnungszeiten der Theaterkasse:
Di-Fr, 10-18 Uhr
Sa, 10-13 Uhr
So 10-12 Uhr

Foto: Christine Steinhart
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weitere Infos zur Dance Company MS Tanzwerk finden Sie unter:
http://www.ms-tanzwerk.de